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Unser Burggeist

Es ist beinahe Mode geworden: - jedes Schloss, das etwas auf sich halt, hat seinen Schlossgeist und jede Burg seinen Burggeist. Der Hohenkrähen hatte es beileibe nicht vonnöten, sich irgendwo eine schaurige Mär auszuleihen; sein unheimlicher Kobold - Wast Poppolius - hat durch gut 7 Jahrhunderte dafür gesorgt, dass über ihn das Gespräch nicht verstummte, nicht das besorgte Raunen der Knechte in den Kemenaten, nicht der frivole Spott am Kamin des Rittersaales. Wer gar von den Mühlhauser Bauern ein Feld im Krayenösch hatte, der machte sich beim ersten Klang der Vesperglocke um 4 Uhr des Mittags wieder heimwärts.

Nach der Sage war Wast Poppolius Vogt und Verwalter auf Hohenkrähen. Er war sehr hart und grausam gegen das arme Volk; er quälte es an Leib und Seele und muss daher bis zu seiner Erlösung umhergeistern. Viele Menschen haben dies schon erfahren. Nach seinem Tode wurde er in der Pfarrkirche zu Mühlhausen - einem kleinen Flecken nordwestlich des Hohenkrähen - begraben und - dort soll er noch ruhen; genau unter dem ewigen Licht sei sein Grab, sagt man.

Wahrscheinlich liegt der Poppelesage folgendes zugrunde:
Im Jahre 1307 waren die Ritter zu einem Feste auf der Burg Bodmann eingeladen; darunter war auch ein Ritter Gottfried von Creg in, - also ein Ritter vom Hohenkrähen. Beim festlichen Gelage brannte jedoch die aus Holz gebaute Burg ab, und viele Ritter kamen in den Flammen um, - darunter auch der Burgherr vom Krayen. Die Witwe bestellte nun ihren Vogt zum Verwalter, oder wie man früher sagte, zum Meier (vom lateinischen "major" - höherstehend bzw. größer); immerhin aber war dieser Mann ein Ritter. In der Chronik von Mühlhausen, die alleine für sichere Nachrichten bürgen könnte, ist geschichtlich überhaupt nichts über ihn zu finden. Lediglich wird um das Jahr 1880 von einem Pfarrer die Sage erwähnt.

1818 berichtet der Kalender "Der Wanderer am Bodensee", daß er das Poppelegrab zu Mühlhausen besucht habe. Die frühere Inschrift am Grab: Hic jacet Poppolius (hier liegt der Poppolius begraben) - habe er nicht mehr gefunden auf dem Grabe.

Eine weitere sichere Kunde von der Person des Ritters Wast Poppolius haben wir in einem Ritterbild im Schloss des Freiherrn von Reischach in Schlatt unter Krähen. Dabeistehen die Worte, dass dies Bild 1665 nach einem alten, korrumpierten Bild konterfeit worden sei.

Die Öffnung des Grabes:
Der Chor der Mühlhauser Pfarrkirche war ehedem die Grabkappele der Ritter vom Hohenkrähen. Darüber sind genügend Zeugen vorhanden. Somit konnte es schon sein, dass der Wast Poppolius im Chor begraben lag, wie die Sage erzählt. Im Spätsommer des Jahres 1936 wurde in der Pfarrkirche ein neuer Boden gelegt, und ich beschloss, diese Gelegenheit zu nutzen und in aller Stille dem Burggeist Poppele in seinem Grab einen Besuch abzustatten. Das aber durfte niemand wissen. Erstens hätte ich mich unsterblich lächerlich gemacht, wenn ich nichts vom Grabe fand, zweitens waren mir die damaligen Machthaber nicht gut gesinnt, und ein Verstoß gegen den Denkmalschutz hätte schlimme Folgen zeitigen können. So grub ich bei verschlossenen Türen den obersten Boden weg und stieß an der überlieferten Stelle auf eine Grabkammer. Ich legte einen Teppich über die Grabstätte, um in der Nacht, wenn ich ganz sicher war und niemand mich beobachtete, die letzte Erdschicht wegzunehmen und die Gebeine zu heben.

Um 10 Uhr in der Nacht nahm ich ein Kerzenlicht, stellte es in die Tiefe des Grabes, damit der Schein des Lichtes nicht nach draußen dringe. Ich war auf 140 cm Tiefe gekommen, und es wurden die ersten Schenkelknochen sichtbar - zerstreut, bedeckt von Schutt und trockener Erde, - die Rippen, dann der auffällig spitze Unterkiefer mit einigen Zähnen. Es war mir, offen gestanden, doch etwas unheimlich zumute, nachdem ich so ganz alleine hier, in der Kirche eingeschlossen, im Grabe des Unheimlichen stehend, dessen Kiefer und Schädel in Händen hielt.

Oben am Gewölbe des Chores zeichneten sich die Schatten meiner eigenen Hände und Finger, wie wenn der Tod selber Schattenspiele vorführe. Unzählige Schnaken summten ihr Lied in der weiten Kirche; ab und zu stiegen sie herunter zu mir und verbrannten sich die Flügel am Licht. -

Das also war der Kopf dieses unheimlichen Mannes. Wenn nur ein Drittel wahr ist von dem, was man von ihm Böses erzählt, dann muss er in der Hölle sein. Da ich eben noch nach Waffen suchte oder Helmspuren zu finden hoffte, glitt meine Hand am rechten Hang der Grube entlang und sank plötzlich ein. Die Erde hatte dem leichten Druck nachgegeben, und eine schwarze Öffnung lag frei: eine Höhle! Ich leuchtete hinein. Da lag ein Kind begraben, unmittelbar neben dem Wüterich; in schönster Ordnung lagen die Knochen da: der kleine Schädel, die Gliedmaßen, die Rippen. Das Sargholz war vermodert, aber das kleine Grab war nicht eingestürzt. Vielleicht bestätigt sich hierin eine andere Sage, dass Menschen mit einem schwarzen Gewissen, weil sie sich vor dem ewigen Richter fürchteten, neben sich ein unschuldiges Kind, das mit ihnen gestorben war, begraben ließen, um einen guten Fürsprech bei sich zu haben.
Nachdem das Grab nun tatsächlich entdeckt war, gab ich es am anderen Tag zur allgemeinen Besichtigung frei. Die Behörde ließ sich versöhnen. Das Grab wurde vermessen, Aufnahmen gemacht; dann wurde es wieder verschlossen. Die alte Inschrift: Hic jacet Poppolius, wurde wiederum über seinem Grabe angebracht.

Seinen Unterkiefer aber habe ich in Watte gepackt und verwahre ihn auf meinem Pfarrhaus-Speicher. Und wenn es dort oben in stürmischen Nächten rumort, und es keine Nachbarskatzen sind, so muss ich annehmen, dass dem Burggeist Poppolius die unsichtbaren Zähne klappern.

Dies schrieb euch der "Hüter des Grabes", Albert Riesterer, Burgkaplan

(aus: Der Wildpfad, Nr. 53/54, S. 25 ff.

 
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30. April 2018: Dank Kafe konnte das Buch des Grauen Reiters von 1954 digitalisiert werden. Ein Paar Seiten findet ihr dann im neuem Heft. Eventuell wird es einen Nachdruck geben!



Februar 2018: Arbeiten am neuen Heft beginnen. Thema: "Der Haddak"



Juni 2017: Der Graue Reiter 126/127/128 ist noch vor Pfingsten fertig geworden und schon auf dem Weg zum Bundeslager!



November 2016: Die Reihe der "rot-grauen blätter" wird weitergeführt. Nummer 100 und Nr. 101 stehen zum Download zur Verfügung. Alte Nummer leider aus rechtlichen Gründen nicht mehr. >>> Hier geht's zur Nummer 101.



Der Graue Reiter 130 ist zzt. ebenfalls in Arbeit. Mit dieser Dokumentation soll das Kapitel "GRAUE REITER in der
DDR" aufgearbeitet werden. Erscheinungstermin ist für Winter 2018 geplant. Im Moment beträgt der Umfang 54 Seiten. In nächster Zeit wird es noch ein paar Fahrten in den Osten geben, um Zeitzeugen zu befragen und weiteres Material zusammenzutragen.