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  Allenspacher Hof 1977  
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Allenspacher Hof 1977 - Das Lager

Hunderte von Kohten standen auf der großen Wiese, Lagerfeuer überall, wohin das Auge blickte, Wimpel vieler Bünde wehten im Wind, Hunderte von Jungen und Mädchen in bunten Trachten und Kluften waren beschäftigt mit den Arbeiten, die der erste Tag eines Lagers mit sich bringt: Holz wurde geschlagen, Feuerstellen errichtet, Dreibeine gebunden. Ein buntes Durcheinander im ganzen Lager.

Im Laufe des Tages waren sie alle angereist, mit Autos, Bussen, Wanderstiefeln und Daumen zum großen Überbündischen Treffen rund um den Allenspacher Hof bei Böttingen auf der Schwäbischen Alb. Man konnte es kaum glauben, dass der Hof wenige Stunden vor der Lagereröffnung noch einsam und verlassen auf der kahlen, öden Graslandschaft der Albhochfläche gelegen haben soll. Jetzt hatte sich eine riesige Zeltstadt um ihn herum gebildet. Zelte soweit das Auge reichte.

Jeder Bund hatte auf seinem Grundstück sein kleines Anwesen errichtet. Kohten, oft bunt bemalt, mit verschiedenerlei bekannten und fremden Szenen, Motiven und Ornamenten. Hoch darüber, an langen Speeren die Bundesbanner, Wimpel und Hadakks. Ganz am Waldrand hatten die Nerother ihr riesiges Lager aufgeschlagen. Von dort aus ging die Hauptstraße schnurgerade hin zu dem weißen Gebäude des Hofes. Das einzige feste Gemäuer der ganzen Stadt, das alle anderen überragte, denn dort war der Gemeinderat, dort wurde diskutiert und organisiert. Auch die Lagerpresse hatte dort ihren Sitz. Sie brachte während der ganzen Zeit die neuesten Lagernachrichten am laufenden Band zu Papier.

Nicht weit entfernt vom Hof stand die Kirche, klein und bescheiden, errichtet aus Kohten und Jurtenplanen. Doch mit Turm, Schiff und Altar. Ein Lob den Architekten, denn sie fügte sich harmonisch in das Stadtbild ein.

Rechts der Hauptstraße eines der wichtigsten Kommunikationszentren für das Lagervolk, das "Teezelt". Hier traf man sich um sich zu unterhalten, zu diskutieren, bei einem oder zwei Bechern starken Tee, Gitarrenklängen und Gesang. Ging man die Hauptstraße weiter, kam man vorbei an den kleineren Lagern der einzelnen Bünde; oft nur einige Kohten in lockerem Verband aufgestellt, ein Kreis von Kohten rund um die Bundesjurte; oder die in zwei Linien pfeilgerade ausgerichteten Kohten der Pfeilpfadfinder.

Durch das ganze Lager zog der Rauch der vielen Feuer wie Nebel. Am Abend Gesang, Lachen, Knistern und Knacken der Feuer, Schatten im flackernden Licht, hier und da Versprechensfeiern, Taufen bei Fackelschein. Erst in den frühen Morgenstunden kam die Stadt zur Ruhe und nur noch die Lagerwachen streiften zwischen den Zelten. Doch früh am Morgen kroch man schon wieder aus dem Schlafsack, und das ganze Volk scharte sich in riesigen Trauben um die wenigen Wasserhähne. Jeder hatte es eilig, sich zu waschen oder die großen Hordentöpfe zu füllen, denn bald sollte man sich auf der Werkwiese versammeln, wo Arbeitsgruppen gebildet wurden. Den ganzen Tag wurde gehämmert, geklopft, geflochten, wurde Ytong bearbeitet, Kupfer getrieben, Linol geschnitten, Stoff bedruckt mit großem Fleiß und Konzentration. Jeder wollte etwas vorzeigen.

Wer nicht werkelte, beteiligte sich am Ritterkampf als begeisterter Kämpfer oder Zuschauer, oder versuchte sich an dem riesigen Klettergerüst, das ein Bund aus langen Stangen, Seilen und Strickleitern errichtet hatte.

Die großen Barden der Bünde maßen sich im Sängerwettstreit, bei dem es der Jury sehr schwer fiel, sich für einen Besten zu entscheiden.

Nach drei Tagen buntem Treiben wurde die Stadt wieder abgebrochen, und jeder zog seiner Wege, bis wir uns eines Tages wiedertreffen, irgendwo, zu einem neuen überbündischen Treffen.

(aus: Der GRAUE REITER 106/107, S. 72 ff.)

 
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30. April 2018: Dank Kafe konnte das Buch des Grauen Reiters von 1954 digitalisiert werden. Ein Paar Seiten findet ihr dann im neuem Heft. Eventuell wird es einen Nachdruck geben!



Februar 2018: Arbeiten am neuen Heft beginnen. Thema: "Der Haddak"



Juni 2017: Der Graue Reiter 126/127/128 ist noch vor Pfingsten fertig geworden und schon auf dem Weg zum Bundeslager!



November 2016: Die Reihe der "rot-grauen blätter" wird weitergeführt. Nummer 100 und Nr. 101 stehen zum Download zur Verfügung. Alte Nummer leider aus rechtlichen Gründen nicht mehr. >>> Hier geht's zur Nummer 101.



Der Graue Reiter 130 ist zzt. ebenfalls in Arbeit. Mit dieser Dokumentation soll das Kapitel "GRAUE REITER in der
DDR" aufgearbeitet werden. Erscheinungstermin ist für Winter 2018 geplant. Im Moment beträgt der Umfang 54 Seiten. In nächster Zeit wird es noch ein paar Fahrten in den Osten geben, um Zeitzeugen zu befragen und weiteres Material zusammenzutragen.