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  Die Kosakenhorde  
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Die Kosakenhorde

Lang ist es her. Im Jahre 1957 trat die Kosakenhorde in Göppingen unter ihrem heute schon legendären Führer Wolfo vom BDP in den GRAUEN REITER über. Teile der Kosakenhorde waren Leute aus meiner damaligen Sippe "Donnervogel". In dieser Zeit war ich in der Lehre als Bauschlosser und Kunstschmied. Ein hartes Stück Lebensgeschichte, denn für uns Stifte waren Wochenarbeitszeiten von 50 bis 60 Stunden die Regel. In der Berufsdchule saß damals ein großer Blonder namens Volkmar Schnarrenberger, Volge, und wir kamen im Laufe der Zeit zusammen; er sprach von seinen Freunden in Gingen, den "Waldläufern" und ihrer selbstgebauten Hütte, und ich erzählte von unserer Sippe, vom Wolfo und unserem kleinen, aber feinen Bund, dem GRAUEN REITER. Und eines Tages, nach längerem gegenseitigen beschnüffeln, lud uns Volkmar zu einem Besuch in die Hütte im "Looch" ein. Mit "feldmarschmäßig" gepacktem Affen mit Kohtenplane, Kochgeschirr und Feldflasche nebst Harsthorn, angetan mit Juja, Halstuch, dunkelblauer Überfall-Skihose mit dazu passendem Schiffchen auf dem Haupte trampten wir nach Gingen. Und aus diesem Besuch heraus entstand die Kosakenhorde Gingen. Die Kosaken gibt es heute noch. Nach 40 Jahren besteht immer noch ein loser Zusammenhalt. Nur unseren Hans, der bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben kam, haben wir am 24. Januar 1962 in Gingen zu Grabe getragen.

Die Kosaken mit dem Wolfo waren eine tolle Mannschaft. Handwerksleute, frei und ledig, bündische Vaganten mit eigenem Stil. Ihre Liebe gehörte ihrer Hütte am See, dem Krähen und ihren BMW-Gespannen. Schnauz, Negus und Gari waren Gäste und die Hütte "dröhnte Nachts von wilden Gesängen". Nun eine Episode aus der Geschichte der Kosakenhorde: Wie schon erwähnt, waren wir ein wilder Haufen, frei und ledig. Von Damen oder gar Pfadfinderinnen, die "Langhaarigen", wie wir sie nicht gerade liebevoll nannten, hielten wir gar nichts! Doch das änderte sich eines Tages: Hans und ich fuhren mit dessen 250er BMW mit 12 PS auf ein Lager in der Nähe von Calw. Und als stramme Kosaken - halt rechte Mannsbilder - erbarmte uns der Zustand einer Kohte, die gar jämmerlich zwischen ihren Stangen flatterte. Und diese Kohte gehörte - wie konnte es anders sein - einer Gruppe von "Langhaarigen"! Rucki, zucki griffen wir zu, und die Kohte stand wieder wie eine Eins. Und weibliches Lob war uns gewiss: "Ihr seid halt Kerle!"

Und schon war es geschehen. Die Mädchensippe "Drago" aus Stuttgart mit ihrer Führerin Irmgard Stimpfig (Irmi) hatten es geschafft: fortan fuhren die stolzen Kosaken, frisch rasiert und frisiert, mit gewaschenem Halstuch und vom Kohtenrauch gelüfteter Juja mit dem BMW-Gespann in die schwäbische Residenz.
Und die Mädchen konnten ja auch so schön singen. Dazu unsere kernigen Kosaken- und Landsknechtslieder, Negro-Spirituals, Seemanns- und Soldatengesänge! Die meisten von uns waren restlos in die Großstadtmädchen verknallt und wir Burschen aus dem Hinterland hatten Sternchen und Spiralen in den Augen. Der Höhepunkt war dann, als Hans eines Tages verkündete, dass uns etwas Kultur Not täte und wir unbedingt das Tanzen lernen müßten - und zwar mit einer Frau oder ähnlichem, und zwar nicht wie ums nächtliche Lagerfeuer nach einer Flasche Rotwein. Wir hätten eine "Bildungslücke" meinte er mit erhobenem Zeigefinger. Und so wird berichtet, dass die Kosaken, in Socken und in Knickerbocker, auf blankgewienerten Linoleumboden in der Hütte zu Gingen und zu den Klängen eines alten Grammophons, handangetrieben, mit einem riesigen Schalltrichter, den Dreivierteltakt im Tanzen lernten, beziehungsweise es versuchten.

Doch wie es im Leben so geht. Keiner von uns hat eine "Drago" aus Stuttgart geheiratet. Wir blieben alle bei schwäbischen Spätzle: So bekam der Volge seine Lore, und der Sepp die Suse, der Macko die Mietze, Alfred die Rune, Tilo, der alte Seebär, landete im Hafen bei der Innes, Wolfo bei der Lisbeth und Mirco bei dem Schnäcker. Und wie schon in der Bibel steht: Seit fruchtbar und mehret euch! Brachten diese ehelichen Verbindungen viele kleine Kosakenmädchen und Kosakenbuben.

Und als es dem GRAUEN REITER Anfang der 70er Jahre gar nicht gut ging und man um seinen Bestand als Bund bangen musste, da wurden aus den Mädchen und Buben der alten Kosaken, jetzt alle in Amt und Würden, die Sippe "Rulaman" aus Gingen. Und die Hütte und der kleine See sind immer noch da, träumen von vergangen, nicht wiederkehrenden Zeiten. Aber ich glaube, so ganz vergessen haben die "Rulamänner" ihren ehemaligen Sippenführer nicht den Mirco.

(aus: Der GRAUE REITER 106/107, S. 45 f.)

 
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30. April 2018: Dank Kafe konnte das Buch des Grauen Reiters von 1954 digitalisiert werden. Ein Paar Seiten findet ihr dann im neuem Heft. Eventuell wird es einen Nachdruck geben!



Februar 2018: Arbeiten am neuen Heft beginnen. Thema: "Der Haddak"



Juni 2017: Der Graue Reiter 126/127/128 ist noch vor Pfingsten fertig geworden und schon auf dem Weg zum Bundeslager!



November 2016: Die Reihe der "rot-grauen blätter" wird weitergeführt. Nummer 100 und Nr. 101 stehen zum Download zur Verfügung. Alte Nummer leider aus rechtlichen Gründen nicht mehr. >>> Hier geht's zur Nummer 101.



Der Graue Reiter 130 ist zzt. ebenfalls in Arbeit. Mit dieser Dokumentation soll das Kapitel "GRAUE REITER in der
DDR" aufgearbeitet werden. Erscheinungstermin ist für Winter 2018 geplant. Im Moment beträgt der Umfang 54 Seiten. In nächster Zeit wird es noch ein paar Fahrten in den Osten geben, um Zeitzeugen zu befragen und weiteres Material zusammenzutragen.