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  Chronika II  
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Chronika II

1969: Der Bund hat zirka 300 Mitglieder. Starke Gruppen befinden sich in Husum, Berlin, Singen, Wuppertal, Tübingen. Um Stuttgart und Ettlingen ist es etwas stiller geworden. Man begann das Jahr mit einem Winterlager auf dem Krähen, dass sehr gut besucht war. Viele Sippen waren schon mitten in der
Vorbereitung für das nächste Bundeslager, das unter dem Thema "Japan" stehen sollte. Ausgearbeitet wurden Themen wie Religion in Japan, Lyrik, Musik, Teezeremonie, Ikebana, Judo und Bogenschießen. Im Oktober fand ein Burgrat statt, auf dem ein Führungsrat gewählt wurde - bestehend aus Profos, Daddy,
Gert und Conny. Ende September fand in Wuppertal ein Führerlager statt, an dem 32 GRAUE REITER teilnahmen. In der Weihnachtzeit fanden in Singen und Lübbecke Elternabende statt, Gruppen auf Husum und in Tübingen veranstalten Weihnachtsmärkte. Die Wuppertaler hatten ein Weihnachtslager, auf dem Krähen fand ein Baulager (Fußbodenarbeiten) statt.

1970: Im Februar kommt es zu einem großen Elternabend der Wuppertaler. Ostern findet ein Lager für Führer und Nachwuchskräfte statt, dass Bundeslager ist auf August verlegt worden. Im Mai kommt es zu einem ersten Burgrat, auf dem man sich Zeit nimmt, "um über Führungsprobleme, Strukturen des Bundes und der Gruppen nachzudenken". Pfingsten finden Lager bei Berlin und auf dem Krähen statt. Das diesjährige Bundeslager, zweigeteilt für Pimpfe und Pfadfinder, findet in Gothmund bei Lübeck statt; Thema: "Zu Gast bei Li-tai-Pe". Im Oktober meldet das in "s Blättle" unbenannte Nachrichtenblatt des Bundes einen neuen Bundesführer - Gerd Horstschulze aus Singen. Weiter Aktivitäten waren nicht in Erfahrungen zu bringen.

1971: Diverse Fahrten und Lager. Genaueres über Aktivitäten konnte nicht in Erfahrung gebracht werden. Der Burgrat am 9. Oktober auf dem Hohenkrähen brachte eine neue Bundesführung. Da man sich nach langer Debatte auf keinen Kandidaten einigen konnte, bzw. diese allesamt abgelehnt hatten, wurde ein Führungskollektiv gewählt, das sich aus folgenden Personen zusammenstellte: Gisela von Kenne (Fahrtenname Pünktchen, aus Singen), Rolf Reichle (Halef, Konstanz), Bernd Gugel (Spezi, Tübingen), Richard Matthäus (Emir, Radolfszell), Sabine Hilzinger (Konstanz), Detlef Jansen (Jumbo, Wuppertal),
Christiane Heim (Micki, Kiel). In einem Bericht werden folgende Stämme und Gruppen des Bundes aufgezählt: Bundschuh/Wuppertal, Adler/Singen, Stamm derer vom Rheineberg/Lübbecke, Nachtschwalben/Tübingen, Esquilo/?, Thule/Singen, Kreuzritter/Konstanz, Florian Geyer/Wuppertal, Tine von Husum/Husum, Siebenschläfe/Tübingen.

1972: Anfang des Jahres wird klar, dass das Führungskollektiv nicht effektiv arbeit. Daraufhin werden auf einem Burgrat im März Conny (Conrad Kimmerle), Iwan (Heinz Haas) und Jumbo (Detlef Jansen) zur Bundesführung gewählt, wobei Conny als "offizieller, äußerer Vertreter" des GRAUEN REITERS fungiert. An Pfingsten führt der Bund auf dem Krähen das traditionelle Bundeslager unter der Themenstellung "Der GRAUE REITER lernt sich kennen" durch. Da viele, vor allem jüngere Bundesangehörige, den Hegau noch nicht kannten, fanden kleinere Fahrten in die Ungebung der Burg statt: Hohentwiel, Mägdeberg, Hohenhöven, Hohenstoffel, Stein am Rhein. Mit zehn Schlauchbooten ging auf dem Rhein flussabwärts nach Gailingen. Zwei Filme, vorgeführt im Kaminraum des GRAUEN-REITER-Hauses, "Die Brücke" und "Zwölf Uhr mittags", waren Anlass zu vielen Gesprächen. Ein Entwicklungshelfer, der zwei Jahre in Kolumbien war, zeigte Farbdias und erzählte von seiner Arbeit. Daraus ergaben sich Gespräche über Zielvorstellungen und Möglichkeiten der Entwicklungshilfe. Im Sommer war auch der GRAUE REITER Themes mit Sita, einem Mädchen aus Nepal, auf der Burg. Themes ist nun schon im dritten Jahr als Entwicklungshelfer in Nepal. Er reguliert mit seinen eingeborenen Helfern Bäche und Flüsse und
zeigte Farbdias, die von seiner Arbeit berichteten. Aber nicht nur von der Arbeit war die Rede, Themes hat auf seine Wanderungen in Nepal die Grenzgebiete bis Tibet erreicht. Aus den Stämmen ist folgendes zu berichten: Husum hat seine Gruppen in Arbeitsgruppen geteilt. Im März fand ein Elternabend statt, größere Fahrten sind nicht geplant. Sing- und Laienspielgruppen nehmen an Turnieren und Wettbewerben der Stadt teil, es gibt regelmäßige Altenheimbesuche. Ein neues Heim mit elf Zimmern wird hergerichtet, 11 Angehörige des Stammes nehmen auf einer Fahrt nach Dänemark teil. In Tübingen wird wieder ein Weihnachtsmarkt geplant, es gab Alpenrundwanderungen, es wurde gebastelt, es gab Diskussionen über
Ostpakistan bzw. Bangla Desh, einmal im Monat werden Gastarbeiterkinder zum Gruppenabend eingeladen. Das in Singen kein Heim vorhanden ist, war wenig los. Beim Ausbau des Hauses der Jugend wird geholfen, es gibt verschiedene Lager und Waldläufe, es finden mehrere Elternabende statt. Der Stamm in Radolfszell meldet eine Großfahrt nach Frankreich, Wölflingsgruppen werden aufgebaut. Konstanz: es gibt Schlauchbootfahrten auf der Donau und dem Rhein. In den Sippenstunden gibt es kein festes Programm, es wird getan, "wozu die Leute Lust haben". Anschließend kommt es wieder einmal zu einer Diskussion bezüglich der Lage des Bundes. Schnauz stellt die Frage, ob die Jugendbewegung ihr Ziel erreicht habe und nun tot sei. Storch meint, Waldläufertum und Fahnenweihe, wie sie früher gepflegt worden seien, sie passe; nun müsse man sich neuen Dingen zuwenden. Die Jungen sollen zwar noch
das Waldläufertum pflegen, sie müssten dann aber mit der Zeit herauswachsen. Das Ziel der Jugendlichen sei nicht, die "Blaue Blume" zu finden, sondern dies läge in weiter Ferne - in Indien und Amerika. Mangelndes Interesse warf Hannes aus Tübingen der Bundesführung vor. Berufliche Gründe für eine
eingeschränke Aktivität wollte er nicht gelten lassen. Auch Hannes aus Husum erwartet mehr Ideen von der Bundesführung, sie solle nicht alles von den Angehörigen erwarten. Storch war der Auffassung, man solle Kontakte zu anderen Jugendbünden aufnehmen, um neue Ideen zu erhalten und neue Impulse
zu bekommen. Zum Schluss des Burgrates einigte man sich, die Arbeit der Satzungskommission wieder aufzunehmen, die zwischenzeitlich eingeschlafen war, um die Bundesordnung zu ändern. Eine gemeinsame Pfingstwanderung der Stämme fand kein Interesse. Im Sommer waren Conny und Tuby auf Großfahrt in
den USA und Mexiko, wo sie auch Maxi (eine ehemalige Stammesführerin im Bund) mit Familie besuchten. Man verbrachte auch drei Wochen in einem Indianerreservat in Arizona. Über Weihnachten fand nicht nur ein Winterlager auf der Burg, sondern auch ein Führerschulungslager statt. Dazu waren auch Psychologen und Pädagogen eingeladen.

1973: Der Burgrat zu Ostern brachte eine neue Bundesführung; es wurden Wolfram Egon und Rosemarie Hansen gewählt. Zur gleichen Zeit fand auf dem Krähen das Bundeslager, das unter Schnee, Regen und Sturm litt, statt - "Trading Post, Wounded Knee". Der Zusatz "Wounded Knee" kam erst kurz vor Lagerbeginn hinzu - unter dem Eindruck der verzweifelten Besetzung des Ortes durch AIM-Krieger (American Indian Movement), die zehn Wochen von über 300 FBI-Beamten und US-Marshals belagert wurden. Verschiedene Bundesangehörige hatten in den vergangenen Jahren im Westen der USA
Reservationen und Handelsposten besucht und lieferten die für das Lager nötigen Informationen. Der Sinn war, während des Lagers sich in eine selbstgewählte Werkgilde einzureihen und in dieser indianische Gegenstände herzustellen. Zuvor wurden die Lagerteilnehmer durch einen Sprecher über indianische Handelsposten (Trading Post) und die Tragödie von Wounded Knee unterrichtet. Es wurden auf Lagerwebstühlen Teppiche gewoben, Keramik hergestellt, Camulets und Tomahawks von den Jüngeren. Besonders beliebt war eine Werkgilde, in der Halsketten aus Pflanzenkernen und Silberdraht hergestellt wurden. Auch Bastarbeiten entstanden hier. In einzelnen Gruppen ging man auf den Indian-Trail. Die Aufgabe war, den "heiligen Ton Catlinit" zu suchen - für die Anfertigung der Friedenspfeifen. Der Trail war voller Abenteuer und Gefahren, doch brachten am Abend alle den Ton mit. Der festliche Abschluss des Lagers war die Verteilung der Preise für die besten Werkarbeiten. Vor der Bundesjurte brannten zwei Feuer, alle angefertigten Arbeiten lagen hier zur Begutachtung auf Kohtenbahnen, in der Bundesjurte
wurde unter dem Motto "Die Zauberpfeife erzählt" indianische Legenden erzählt. Bis in die Morgenstunden kreiste, von Erzählern weitergereicht, eine Friedenspfeife. Durch dieses Lager wurde der Bund darin bestärkt, dass durch sinnvolle Tätigkeiten, wie sie der GRAUE REITER in den zwanzig Jahren seines Bestehens immer wieder erlebte, dass Pfadfindertum "in der Gegenwart und auch in Zukunft seinen geistigen Sinn behalten wird". Während der Großfahrtenzeit waren Gruppen des Bundes in Finnland, Südfrankreich, Tunesien und der Türkei unterwegs. Ende August fand in Wuppertal ein Führerschulungslager statt. 25 Teilnehmer beschäftigten sich mit der Entstehung der Jugendbewegung, Gruppenpsychologie und Soziologie, Fahrten- und Lagervorbereitung. Das E.V.-Treffen, einen Monat später, brachte die Entscheidung, dass 1974 das GRAUE-REITER-Haus instandgesetzt werden soll; die Kosten belaufen sich auf ca. 10.000 Mark. Auf dem folgenden Burgrat wurden "allgemeine Probleme erörtert". Weihnachten trafen GRAUE REITER zu einem Winterlager auf der Burg zusammen. Neu war, dass jede Gruppe für einen Tag ein Programm ausgearbeitet hatte, d. h., das Lager stand nicht unter einem bestimmten Motto, sondern wurde von den Teilnehmern selbst gestaltet. So wurden auch Filme über Indien und behinderte Kinder in unserer Gesellschaft gezeigt und anschließend besprochen. Weiter wurden Dias von Großfahrten gezeigt, unter anderem vom "inoffiziellen Bundeslager" in Lappland - zwei Fahrtengruppen mit GRAUEN-REITERN aus Tübingen, Zürich, Husum und Wuppertal trafen sich am Inarisee und hielten dort für eine Woche ein gemeinsames Lager ab. Auf dem Krähen wurde gewerkt, Geländespiele und Nachtwanderungen durchgeführt. Der Jahresübergang wurde traditionell auf der
Bastion gefeiert.

1974: Januar-Führerschulungslager. Drei Arbeitskreise befassten sich mit folgenden Themen: Heimabendvorbereitung und Durchführung, Fahrtenvorbereitung und Durchführung, Gruppenpsychologie und Soziologie. Über Ostern unternahmen Gruppen Fahrten nach Holland, in den Hegau und den Schwarzwald. Auf der Burg wurden die Arbeiten an dem Neuen Burghaus aufgenommen, bis zum Herbst soll das neue Dach installiert sein. Aus dem Stämmen gibt es teilweise sehr schlechte Neuigkeiten. Über das E.V.-Treffen im Herbst kann man unter anderem folgendes lesen: "Götti berichtet, dass in Konstanz unter Halef noch zwei Sippen und eine Wölflingsgruppe vorhanden seien. In Singen existiert noch eine Sippe unter Mimi. Weiterhin sei in Schlatt eine ca. 20 Mann starke Aufbausippe, aber es fehlt halt auch dort ein kompetenter Führer. Im April sei das Stammesleben in Husum nicht schlecht gewesen, zur Zeit sieht es etwas anders aus . . ." Im Dezember kommt es auf dem Burgrat zu Neuwahlen, zum Bundesführer wird Kasi, Ralf Peplies, gewählt.

1975: Mit dem GRAUEN REITER geht es weiter bergab. Die Struktur der Pfadfinderschaft hat sich stark verändert. Waren noch vor fünf Jahren Einzelmitglieder eine Seltenheit und Gruppen in der Überzahl, so ist nun das Verhältnis genau umgekehrt. Ende März kommt es zu einem Bundeslager auf dem Krähen. Im Mittelpunkt stand einmal die Arbeit an den Burghäusern, zum anderen waren Werkgruppen mit Linolschnitten, Lederarbeiten und der Herstellung von Metallbildern aus Industrieabfällen beschäftigt. Die Jüngeren stellten Kasperlepuppen aus Pappmaschee her. Am 25./26. Oktober fand auf der Burg der zweite Burgrat im Jahre 1975 statt. Die wenigen Stammes- bzw. Gruppenführer gaben Bericht über ihre Arbeit in den zurückliegenden Monaten. Großfahrtenerfahrungen und Erlebnisse wurden ausgetauscht. Aufsehen erregte eine Fahrt entlang der Mittelmeerküste mit Besuch der wichtigsten Altertümer der Antike - vor allem durch die Erzählfreudigkeit der Teilnehmer und durch die vielen unvorhergesehenen Ereignisse. Vom 27. auf 28. Dezember wurde erneut ein Burgrat einberufen. Die Lage des GRAUEN REITERS hat sich dramatisch verschlechtert. Funktionierende Gruppen sind fast nicht mehr vorhanden, nachdem Rücktritt
von Kasi konnte man sich auf keine neue Bundesführung mehr einigen. Nach langen Diskussionen, in denen auch die Auflösung des Bundes erwogen wird, kommt es zu folgender Lösung: Den 70 GRAUEN REITERN, zumeist Einzelmitglieder, steht Storch (Peter Mürdter) als kommissarischer Bundesführer vor, Renate Härle führt die Bundeskasse weiter, Lola (Lothar Hamel) unterstützt beide in der Bundesführung.

 
Die Bundesordnung
Der Sturmtrupp
BBB - Stamm Braune Bären Ber...
Die Zeit bis 1956
Die Zeit 1956-1968
Die Zeit 1969-1975
Von einer Leiche
Bundeslager 1975
Der Zusammenbruch
Chronika II
Neubeginn (1976-1986)
Die Zeit seit 1986
Führer des Bundes
Die Stämme
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30. April 2018: Dank Kafe konnte das Buch des Grauen Reiters von 1954 digitalisiert werden. Ein Paar Seiten findet ihr dann im neuem Heft. Eventuell wird es einen Nachdruck geben!



Februar 2018: Arbeiten am neuen Heft beginnen. Thema: "Der Haddak"



Juni 2017: Der Graue Reiter 126/127/128 ist noch vor Pfingsten fertig geworden und schon auf dem Weg zum Bundeslager!



November 2016: Die Reihe der "rot-grauen blätter" wird weitergeführt. Nummer 100 und Nr. 101 stehen zum Download zur Verfügung. Alte Nummer leider aus rechtlichen Gründen nicht mehr. >>> Hier geht's zur Nummer 101.



Der Graue Reiter 130 ist zzt. ebenfalls in Arbeit. Mit dieser Dokumentation soll das Kapitel "GRAUE REITER in der
DDR" aufgearbeitet werden. Erscheinungstermin ist für Winter 2018 geplant. Im Moment beträgt der Umfang 54 Seiten. In nächster Zeit wird es noch ein paar Fahrten in den Osten geben, um Zeitzeugen zu befragen und weiteres Material zusammenzutragen.