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Schwarzwaldgroßfahrt! Hände hoch! Bundesreichslager Juli/August 1933

einige Auszüge (und Eigenes) aus Berichten im Jugendland, Heft 24:

Ein ausführlicher Großfahrt-Reise- und Bundesreichslagerbericht befindet sich im "Jugendland", Heft 24, Seiten 3 bis 11. Hier aber nochmals die wichtigsten Begebenheiten, Ereignisse und Orte unserer BBB-Reiseroute. Bevor wir uns auf die Socken machten a pro po, wir wurden gerollt war die Planung durch Schnauz, er war ein großer Organisator! Schnauz hatte mit dem Vater von Adlerauge und Dachs dahingehend ein Gespräch, denn er war Besitzer eines Sechsitzers Opel und er meinte, für einen Großfahrttrip wäre dieser als "Fahrgestel" ausgezeichnet geeignet. Es gelang Schnauz, den Vater, der gleichzeitig auch unser Fahrer war, für diese Reise zu gewinnen, indem er ihm einen kostenlosen, dreiwöchigen Urlaub in dem Elternhaus von Schnauz in Unterjesingen versprach!

Am 23. 7. 1933 ging es dann mit dem übervoll besetzten Sechsitzer Opel in Richtung Schwarzwald. Wir waren zehn Personen große und kleine weiß Gott, wie wir da alle hineingingen!? Außer dem Fahrer waren da Adlerauge, Dachs, Drach, Sioux, Bjonson, Fuchs, Bär, Büffel und Schnauz. Unser Gepäck wurde in einem großen Reisekorb nach Schönau/Schwarzwald vorgeschickt. Von Berlin ging es über den Kilometerberg (Wannsee) nach Leipzig und besichtigten unterwegs mit Zwischenübernachtungen in einer Scheune die Festspielstadt Bayreuth, Nürnberg, Regensburg und Ulm, kamen an den Donauversickerungen bei Friedingen vorbei, über Donaueschingen, Tittisee, Todtnau nach Schönau, wo wir unser Gepäck entgegennahmen. Hier wurde des Abends erstmal gezeltet (Bild von Schnauz). Der leere Reisekorb wurde per Bahn für die Rückreise nach Stuttgart geschickt.

Aber hier erstmal die "Hände-hoch-Begebenheit": Wir waren an der bayerisch-württembergischen Grenze in ein "SA-Nazi-Mahlwerk" geraten, den Ort weiß ich nicht mehr. Wir wurden dort von einer Gruppe SA-Leute, mit Pistolen und Gewehren bewaffnet, gestoppt. Die Sturmriemen ihrer SA-Mützen unter dem Kinn das sah verdammt grimmig und gefährlich aus. Wir mußten das Auto verlassen und uns wurde befohlen, in ein Haus zu gehen, dort befand sich ein großer Dielenvorraum. Dann bekamen wir die Aufforderung, ob groß, ob klein (der Wölfling Dachs war erst zehn Jahre alt!), uns mit dem Gesicht an die Wand zu stellen und die Hände hoch zu nehmen, dann wurden wir von oben bis unten abgetastet! Inzwischen wurde draußen der Wagen nach weiß Gott was gründlichst untersucht. Ein Seufzer der Erleichterung von uns allen, als wir uns wieder umdrehen und die Hände herunternehmen durften. Schnauz wurde befragt, warum wir kein Gepäck bei uns führten und er bedeutete, wir hätten dieses zu unserem Reiseziel per Bahn vorausgeschickt. Unser Fahrer und Schnauz wurden gründlichst ausgefragt, nun ist ja Schnauz ein guter Redner und Taktierer und er konnte die braune SA-Schar von unserer Harmlosigkeit überzeugen und wir durften weiterreisen.

In der damaligen Situation des beginnenden "Tausendjährigen Reiches" war es unmöglich, diese Begebenheit in irgendeiner Weise zu veröffentlichen oder zu verbreiten, bzw. es an die große Glocke zu hängen. Schnauz meinte, es wäre auch ratsam, es nach der Reise nicht den Eltern zu erzählen, die sich sicherlich große Sorgen über unsere Pfadfinderzugehörigkeit gemacht hätten!

Fuchs vom BBB mit selbstgefertigtem Schild und Schwert Biber, der Bruder von Schnauz, mit selbstgefertigtem Bogen mit Pfeilen

Einige vom BBB, Sioux und Drach, waren zuvor als Vorkommando für den Aufbau unseres Bundesreichslagers auf dem Jugendland abgestellt und machten unsere Schwarzwaldwanderung nicht mit.

Unsere Wanderstrecke von Schönau bis nach Freudenstadt war ca. 200 km lang, wir legten täglich 25 bis 30 Kilometer zurück. Schnauz führte uns über den wunderschönen Johann-Peter-Hebel-Weg (17601826), der mit Gedicht-Vers-Tafeln des Dichters versehen war, nach Todtnau weiter auf den Feldberg. Unterwegs wurde Verpflegung gekauft, ein Schwarzwaldbrot, so groß wie ein Wagenrad, Schinken, Marmelade, Butter usw.

Was war das für uns Berliner alles für eine wunderbare Landschaft, eine Idylle! Unter einer riesenhaften Tanne hatten wir für die Nacht drei Tipis aufstellen können. Die Reiseroute ging über das Höllental, Breitnau, Furtwangen, Schönwald, Triberg (dort aquarellierte Schnauz den Wasserfall), über Hornberg, Wolfach, Schiltach, Alpirsbach (dort wunderschöne Kirche) nach Freudenstadt. Von hier aus ging es mit der Bahn über Pforzheim nach Stuttgart, wo wir erstmal für drei Tage bei Kameraden des dortigen Pfadfinderstammes Quartier bezogen hatten. Ich glaube mich zu erinnern, daß ich bei Schnippel wohnte.



Schnauz vor dem Beduinenzelt in Schönau vor unserer Flibustierzeltbahn!

Dann ging es von Stuttgart aus zum Sturmtrupp-Reichsbundeslager zu unserem Jugendland bei Döffingen/Böblingen! Wir wurden von bereits anwesenden Pfadfinderkameraden freudigst begrüßt! Da stand unsere Jugendlandhütte und unweit davon das Zeltlager unserer Stämme. In der Mitte des Geländes, hinter der Boden-Steinlilie, stand der Bundesflaggenmast, etwas seitlich davon hatten wir einen Marktplatz, wo jeder Stamm seine Tauschausstellungsbude zur Aufnahme und Auslage der von uns angefertigten Jahresarbeiten errichtet hatte, die dort nun auf einen Tauschpartner warteten.

Als wir vollzählig waren, ließ der Reichsfeldmeister (Doktor) antreten, unsere Reichsbundesfahne wurde unter Fanfarenklängen und Trommelklang gehißt . Er hielt eine Begrüßungsansprache, das Bundeslied wurde gesungen, dann wurde abgetreten und ein jeder redete mit jedem.

Drach schreibt: "Es war für mich als Siedler" aus Soldin/Neumark eine besondere Ehre, bei der Reichsbundesfahne des Sturmtrupp die erste Ehrenwache halten zu dürfen zu schnell kam für mich die schwere Abschiedsstunde. Ich erinnerte mich meiner vergangenen Grenzlandgroßfahrt mit der Donauzille (Flibustier) und der Lieder des Kameraden Ernst, die noch in mir nachklangen. Im Gesang gedachte ich der großen, wunderbaren Kameradschaft des Sturmtrupp!

Des nächsten Tages wurde ein großes Feuer entzündet, man saß rund herum, Schnauz eröffnete ein Thing und hielt eine längere Rede mit anschließender Aussprache, dann sangen wir unsere Lieder mit Gitarrenbegleitung. Elch hatte uns mit seiner Küchenmannschaft in unserem Lager vorzüglich mit Essen und Trinken versorgt.

Die lässige und ungezwungene Kameradenbegegnung des Tages und des Abends am Lagerfeuer, die interessanten Gespräche, der Gesang am Feuer es herrschte eine ausgezeichnete Atmosphäre!

Am letzten des drei Tage dauernden Reichslagers fand der Jahrmarkt statt und der Tausch. Was waren da für hervorragende Bastelarbeiten zu sehen; geschnitzte Figuren und Köpfe, Mädchenhandarbeiten, Taschen, Bilder vom BBB, Pfeil und Bogen, Schild, ein Flugzeugmodell, Jugendlandmodelle usw. ein jeder fand seinen Tauschpartner!

Das schönste und beste war auf unserem Reichslager, neben unserem Jahresarbeit-Tauschmarkt, die ausgezeichnete Kameradschaft, die hier zum Ausdruck kam und die wir vertiefen wollten und mit diesem Gefühl konnte jeder von uns nach Hause fahren. Natürlich gab es da noch eine Abschiedsrede und unsere Bundesfahne wurde eingeholt!

Angetretene Stammesabgeordnete zur
Eröffnungsrede.
Man schreitet zur Besichtigung des Jahrmarktes
und Tausch!
Stammesfahnenschwenk unter unserer Bundesfahne und Trommelgang vor unserer angetretenen Reichslagergefährten. Reichslager-Thingeröffnungsrede von Doktor und Schnauz im August 1933. Von links nach rechts: Doktor, Bär, Schnauz und Dachs.

(aus: Der GRAUE REITER 109, S. 22 ff.)

 
Die Bundesordnung
Der Sturmtrupp
BBB - Stamm Braune Bären Ber...
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Biografie Schnauz
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diverse Meldungen
Schwarzwaldgroßfahrt
in memoriam
Meldungen II/tusk
Die Brüder Drach
Meldungen III
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Epilog
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Die Zeit 1956-1968
Die Zeit 1969-1975
Neubeginn (1976-1986)
Die Zeit seit 1986
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Die Stämme
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30. April 2018: Dank Kafe konnte das Buch des Grauen Reiters von 1954 digitalisiert werden. Ein Paar Seiten findet ihr dann im neuem Heft. Eventuell wird es einen Nachdruck geben!



Februar 2018: Arbeiten am neuen Heft beginnen. Thema: "Der Haddak"



Juni 2017: Der Graue Reiter 126/127/128 ist noch vor Pfingsten fertig geworden und schon auf dem Weg zum Bundeslager!



November 2016: Die Reihe der "rot-grauen blätter" wird weitergeführt. Nummer 100 und Nr. 101 stehen zum Download zur Verfügung. Alte Nummer leider aus rechtlichen Gründen nicht mehr. >>> Hier geht's zur Nummer 101.



Der Graue Reiter 130 ist zzt. ebenfalls in Arbeit. Mit dieser Dokumentation soll das Kapitel "GRAUE REITER in der
DDR" aufgearbeitet werden. Erscheinungstermin ist für Winter 2018 geplant. Im Moment beträgt der Umfang 54 Seiten. In nächster Zeit wird es noch ein paar Fahrten in den Osten geben, um Zeitzeugen zu befragen und weiteres Material zusammenzutragen.