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  Die Brüder Drach  
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Kurzbiographie der Brüder Drach und Sioux aus dem Sturmtruppstamm BBB

Drach (Hans Loewe) wurde ca. 1914 und Sioux (Walter Loewe) ca. 1916 zu Soldin/Neumark geboren. Die Mutter, Elisabeth Loewe, stammte aus Königsberg/Neumark und arbeitete als Magd auf dem Hof des Bauern Hans Löffler. Der Bauer hatte der Mutter ein Eheversprechen gegeben, was er auch bei der Geburt des zweiten Kindes nicht einhielt. Da also die Heirat nicht stattfand, verließ die Mutter den Löffler-Hof, ging nach Berlin und wohnte hier am Prenzlauer Berg, in der Kastanienallee Nr. 54.

Nach einigen Jahren des Ersten Weltkrieges lernte die Mutter hier in Berlin den naturalisierten Engländer John Franklin kennen und lebte mit diesem in einer Lebensgemeinschaft zusammen. Aus dieser Verbindung bekamen Drach und Sioux noch eine Halbschwester, die Gerti genannt wurde, meines Wissens heiratete und Kinder hatte.

Beide Brüder hatte Schnauz als Gründungsmitglieder des BBB um 1930 geworben, und sie machten auch 1931 die Grenzland- (bzw. Flibustier-) Großfahrt mit. Übrigens, nach meiner Wölflingsprüfung wurde ich zur Wintersonnwende 1931/32 mit Bär und Fisch dem Sippenführer Drach zugeteilt. Er war auch unser Schatzmeister berlinerisch "Kiesmeesta" , so auch verantwortlich für die Stammesbeitragseinziehungen.

Wie bereits berichtet, ist Drach durch ein Vermittlungsgespräch von Schnauz mit dem Vater, dem Bauern H. Löffler, bereits im Sommer 1933 auf dessen Hof als Knecht eingestellt worden. Da er ordentlich zupacken konnte, wurde er dann auch Großknecht. Sioux allerdings sträubte sich hartnäckig, als Knecht auf dem Hof seines natürlichen Vaters zu arbeiten.

Drach besteigt sein Reitpferd, und Spatz hält die Zügel! Drach im Galopp über die Felder des Anwesens seines Vaters!

Beim Aufbau des Reichslagers des Sturmtrupps auf unserem "Jugendland" im August 1933 bei Döffingen/Württemberg war auch Drach sehr beteiligt, er war trotz der Erntezeit vom Vater beurlaubt worden, darüber berichtete ich bereits.

Im Herbst 1934 wurde Drach in eine Kaserne bei Potsdam zur leichtbespannten Feldartillerie eingezogen, dort bekam er von seinen alten BBB-Gefährten im November einen Besuch, über den er sich sehr freute! Den Arbeitsdienst hatte er zuvor nicht ableisten brauchen, da er ja landwirtschaftlich tätig war. Nach Ableistung seines Dienstes ging es zurück auf den Hof seines Vaters auch, um seine Pfadfindersiedlersippe weiterzuleiten.

Die Entstehung der Siedlersippe Drach in Soldin/Neumark begann 1933 mit zunächst nur einem Mitglied namens Taucher, die er aber auf zirka vier Kameraden vermehrte. Er konnte sich weitab von Berlin als "Widerständler" einiges mehr im Sinne alter Sturmtrupptradition erlauben. Da war in Soldin 1936/37 ein festlicher Umzug, an dem er sich beteiligte. In voller Pfadfinderuniform mit Boy-Scout-Hut und hoch zu Roß nahm er mit seinen Kameraden daran teil, keiner nahm Anstoß daran, alle Festzugteilnehmer und Zuschauer meinten wohl, es wäre ein fester Bestandteil des Umzugs. Das war ein echter Don-Quichotte-Streich, was haben wir uns amüsiert! Wie schon Negus und Schnauz berichteten, wurde diese Sippe nicht aufgelöst, sondern verstummte erst durch Einziehung der Gefährten zur Wehrmacht. Es war gut so, Drach redete nicht viel über seine Pfadfindersiedler-Aktivitäten, jeder war beritten, es wurden Heimabende, Lagerfeuer und Ausritte veranstaltet.

Drach zurück vom Ausritt, vor der Scheune und
dem Geräteschuppen des Hofes!
Der von Drach in Reusen
gefangene Fisch am Spieß!

Drach wurde im August 1939 eingezogen und machte den Polen- und Rußlandfeldzug mit. Völlig überraschend sollte ich Drach in Rußland als Soldat im Sommer 1943 bei der Abwehrschlacht bei Kursk begegnen, das war eine enorme Freude! Er war in einer gewaltigen Armee-Rückzugssäule unterwegs, während ich mich (Büffel) mit meiner Einheit in die Kursker Abwehrschlacht hineinbewegte. Die alten, übriggebliebenen Gefährten sollten Drach nicht wiedersehen! In der schweren Abwehrschlacht bei Jassy 1944 an der rumänisch-russischen Grenze fand er den Soldatentod! Der Bruder Sioux wurde trotz seines schlechten Gesundheitszustandes ebenfalls Soldat, er ist im Stellungskrieg am Kuban/Rußland durch einen Scharfschützen 1943 zu Tode gekommen (Kopfschuß). Drach und Sioux waren echte Widerständler, da spielte sicherlich der Stand des Stiefvaters, der ein naturalisierter Engländer war, eine große Rolle. Zum Schicksal des Stiefvaters John Franklin sei folgendes kurz gesagt: Gleich zu Beginn des Krieges 1939 wurde er als unerwünschter Ausländer verhaftet, aber wieder mit der Auflage freigelassen, sich jede Woche einmal polizeilich auf seinem Revier zu melden. Er wurde 1942 wiederum verhaftet und sogleich interniert. In diesem Internierungslager er war sehr leidend verschlimmerte sich sein Gesundheitszustand, denn er erfuhr keine Schonung. Durch schlechte ärztliche Versorgung und Ernährung, sagt man, sei er eines natürlichen Todes gestorben. Mutter und Tochter Loewe-Löffler-Franklin wurden 1944/45 ausgebombt und bekamen in der Feuerbachstraße in Berlin-Steglitz eine neue Wohnung zugewiesen. Dort hatte ich nach dem Kriege, um 1947, nochmals eine kurze Begegnung mit der Mutter und Gerti.

Standortbezeichnung des Gehöftes des Bauern Hans Löffler bei Soldin: Das Gehöft steht ca. 30 Meter zurückversetzt an der Königsberger Chaussee. Links ein Gebäude mit Stallungen, rechts das schöne Wohnhaus mit einer Freitreppe und nach hinten versetzt eine querliegende, große Scheune mit Landmaschinenräumen, in der Mitte ein gepflasterter Hof. Das Anwesen lag genau zwischen Soldin und dem Gehöft Luisenthal, zwischen dem Pachtsee Löfflers und dem Soldiner See, und umfaßte zirka 400 Morgen Wiesen und Acker.

Abschied von Drach am 19. 10. 1936 in Soldin,
denn er geht in die Rübenernte!
Frühstück des T.B. vor dem Zelt auf der Wiese von Drachs Vater bei Soldin!

Ich möchte hier nicht polemisieren, was Widerstand ist und was nicht! Nach der Auflösung unseres Sturmtrupp-Pfadfinderbundes finden sehr intensive Gespräche über das Abtauchen in die Illegalität statt! Wie ich schon auf Seite 19 berichtete, hatte eine Gruppe des BBB mit einer anderen Pfadfindergruppierung im Herbst 1933 in Berlin-Charlottenburg dahingehend Untergrundgespräche geführt!

Ich weiß nicht ob es Hans Steurich [Hans Steurich, genannt Johnny, gründete 1934 die Schwarze Schar, die nach dem Krieg als Pfadfinderschaft Schwarze Schar, später auch als Pfadfinderhilfsdienst (PHD), bis heute mit dem GRAUEN REITER verbunden ist. Hans Steurich starb Ende der 70er Jahre] war, der 1934 in den Untergrund ging und angeblich das Dritte Reich überlebt haben soll, jedenfalls hatte ich ein Gespräch mit einem Altpfadfinder und wurde gefragt, ob ich bereit sei mit ihm das zu tun, er war von der d. j. 1. 11. Auf sein Fahrtenmesser sollte ich einen Eid ablegen, da war ich knapp 14 Jahre alt!

Schnauz hatte uns niemals aufgefordert, Widerstand im Untergrund zu leisten. Er war der Meinung, daß die Art des "Untertauchens" in der Art, wie er es vorhatte, der einzige mögliche Weg des Überlebens, des Durchhaltens ist, das heißt, passiven Widerstand gut verpackt zu leisten! Für unseren aufgelösten BBB-Stamm führte Schnauz sondierende Verhandlungen. Da gibt es einen vormaligen Pfadfinder, der in Kreuzberg den HJ-Stamm Hauptmann von Erkert führt, genannt Pruschka. Dieser Pruschka machte Schnauz den Vorschlag, uns in der Form einer "Technischen Bereitschaft" als Stabszug in seinem HJ-Stamm aufzunehmen. Er meinte, er hätte immer wieder Probleme mit dem Lageraufbau (zum Beispiel eines bereits geplanten Sommerlagers des HJ-Stammes). Schnauz meinte, da könnten wir Abhilfe schaffen, und so wurde die "Technische Bereitschaft" aufgrund dieser Problemsituation gegründet! Und so waren wir bereits im Sommer 1934 mit Bjonson, Sioux und einigen ehemaligen Wöflingen, jetzt Pimpfe, als Vorhut für den Aufbau des HJ-Sommerlagers unterwegs und erstellten dieses Lager.

Da war nun plötzlich Schnauz unser Jungenzugführer (ein bisken alt dafür, aber was solls!). Es ist schwierig für mich, es mir zu erklären, wie wir wenigen noch verbliebenen Pfadfinder, Sioux, Bjonson, Bär und Büffel ausgeschieden waren Fuchs, Dachs, Fisch, Adlerauge und Marabu eine Jungvolk-Gefolgschaft zusammenbrachten, die absolut in den Spuren unserer Pfadfindertradition handelte und lebte. Stillschweigend lebten wir zusammen, machten unseren Dienst, immer mit einem sonderbaren Gefühl in der Magengrube, uns fehlten allerdings sehr unsere Lagerfeuer und Wanderungen. Die Jungvolkneuzugänge kamen auf Empfehlung dieser und jener auf uns zu, und ein jeder war bemüht, sein Bestes zu leisten und zu tun. Da gab es unser Stadtheim (Zossener Straße/Ecke Fürbringer Straße) im Keller, was wir prima ausstatteten und einrichteten. Es wurde da gewerkelt, gemalt, Vorlesungen und Vorträge gehalten. Von unseren Großfahrten, die Prophet als Gast mitmachte und die er auf 8-mm-Schmalfilm aufnahm, gab es Schmalfilmvorführungen!

Wir "Alten" hüllten uns in Schweigen da gab es kein extremes Naziverhalten, auch von den "Neuen" nicht und der Jungvolkdienst ging reibungslos über die Bühne. Nach alter Tradition bekamen die Neuzugänge alle einen Fixnamen und keiner störte sich daran. Da kam der Gerhard Holzapfel zu uns, den wir Grizzly nannten, der hatte was auf dem Kasten, er entwarf und baute für die Großfahrt einen auseinandernehmbaren Gepäckwagen und später eine Fluß-Stromerzeugungsanlage an der Panke für unser Landheim, die aber nicht mehr zur Ausführung kam, da er erst zum Arbeitsdienst und dann zur Wehrmacht eingezogen wurde. Ich möchte hier seiner Gedenken, er ist 1939 vor Warschau als Soldat gefallen! Er war derjenige, der uns durch Verwandte zu unserem Landheim in Zepernick verhalf.

Drach in Soldin/Neumark wurde von uns regelmäßig bis Herbst 1938 ein- bis zweimal im Jahr besucht, er hatte dort seine berittenen Siedler (bzw. Dorfsippe) von zirka vier Mann zusammengebracht, die, wie Schnauz schon berichtete, nicht aufgelöst wurde, sondern durch Soldateneinziehung aufgelöst wurde.

Das Stadt- und Landheim wurde die neue Mitte unseres getarnten bzw. untergetauchten Lebens, das dann jäh Januar/Februar 1939 durch den Eingriff des SD (Sicherheitsdienstes) in der HJ-Stammdienststelle in der Zossener Straße/Ecke Fürbringer Straße in Berlin-Kreuzberg beendet wurde. War da etwas durchgesickert, was es mit der TB im dortigen HJ-Stamm auf sich hatte!? Gab es da einen Verräter? Die Angelegenheit blieb jedenfalls unaufgeklärt. Es ist aber zu vermuten, daß es eine geplante, große Durchkämmung auf Anordnung des Reichsjugendführers in der HJ und dem Jungvolk auf umstürzlerische Elemente gab. Für die Ausführung dazu wurde der bereits versierte SD beauftragt. Diese SD-Säuberungsaktion trug sicherlich dazu bei, die HJ noch linientreuer , noch enger an die Nazibewegung anzubinden. Diese Aktion war wohl einer der Vorboten für späteres: die Einführung der Jugenddienstpflicht am 25. März 1939!

Schnauz war zwar schon zuvor aus der TB ausgeschieden, nur noch Bär und Büffel waren noch von den "Alten" vorhanden; er hatte aber stets bis zuletzt uneigennützig wie er nun mal war die Hand über uns gehalten, nun war unser Untergetauchtsein, unsere Tarnung geplatzt! Da ich mich dort nicht mehr sehen ließ, weiß ich nicht, ob es für die anderen TB-Angehörigen irgendwelche Folgen hatte. Ich habe darüber danach jedenfalls nichts weiteres gehört. Bär und Büffel, als ehemalige Pfadfinder, hatten aber das Gefühl, daß man es wohl auf sie abgesehen hatte, denn unser HJ-Stammführer (ehemaliger Bündischer) Pruschka war ja verhaftet worden!

Wasser gab es nur vom Zapfhahn im Garten, Schnauz beim Wasser holen! Im Garten des Landheims
Zepernik, Schnauz und Medicus bei der Bohnenernte!
Wer wird beim Boxen
gewinnen? Schnauz landet
gerade einen Haken!

(aus: Der GRAUE REITER 109, S. 29 ff.)

 
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Schwarzwaldgroßfahrt
in memoriam
Meldungen II/tusk
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Meldungen III
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Epilog
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Die Zeit 1956-1968
Die Zeit 1969-1975
Neubeginn (1976-1986)
Die Zeit seit 1986
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30. April 2018: Dank Kafe konnte das Buch des Grauen Reiters von 1954 digitalisiert werden. Ein Paar Seiten findet ihr dann im neuem Heft. Eventuell wird es einen Nachdruck geben!



Februar 2018: Arbeiten am neuen Heft beginnen. Thema: "Der Haddak"



Juni 2017: Der Graue Reiter 126/127/128 ist noch vor Pfingsten fertig geworden und schon auf dem Weg zum Bundeslager!



November 2016: Die Reihe der "rot-grauen blätter" wird weitergeführt. Nummer 100 und Nr. 101 stehen zum Download zur Verfügung. Alte Nummer leider aus rechtlichen Gründen nicht mehr. >>> Hier geht's zur Nummer 101.



Der Graue Reiter 130 ist zzt. ebenfalls in Arbeit. Mit dieser Dokumentation soll das Kapitel "GRAUE REITER in der
DDR" aufgearbeitet werden. Erscheinungstermin ist für Winter 2018 geplant. Im Moment beträgt der Umfang 54 Seiten. In nächster Zeit wird es noch ein paar Fahrten in den Osten geben, um Zeitzeugen zu befragen und weiteres Material zusammenzutragen.