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  Sturmtrupp Süd  
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Der Sturmtrupp

" und im Süden arbeitet unser lieber Sturmtrupp Süd", sagte kürzlich unser Großwart in einer Wehrlogensitzung. Er hat recht, und hat nicht recht. Der Sturmtrupp arbeitet, das stimmt. Aber er ist nicht lieb. Im Gegenteil, der Sturmtrupp ist ein unartiges Kind, das alle Erfahrungen und Ermahnungen der Älteren in den Wind schlägt und seinen eigenen Weg geht. Viele sind darüber sehr ungehalten, aber sie müssen sich mit den Tatsachen abfinden.

Wir werden in diesem Heft keinerlei auf der Tagesordnung stehende Probleme besprechen. Einmal darum, weil jeder das geht jetzt die Älteren an , der offenen Sinnes die Bewegung der Jugend betrachtet, weiß, daß wir mit anderen Lebenseinstellungen der Jugend rechnen müssen, daß die heranwachsende Generation sich andere Lebensformen schafft, als wir sie hatten, daß diese Lebensform nicht mehr gesucht wird, sondern da ist. Zum anderen, weil es zwecklos ist, sich ein Programm zu bauen, die neue Jugend in ein System einzuordnen.

Stellt euch zu dieser Jugend, die da ist, nehmt ihre Lebensäußerung ernst, und ihr wachst mit ihr zusammen. Der erhobene Oberlehrerfinger und die sichtbare Beherrschung der Probleme aller Art bleiben beiseite. Die heutige Jugend will Tätigkeit, will "Können" sehen. Sie ist sehr nüchtern und im Urteil scharf.
Der neue "Sti" wächst im Erleben der Jungen, er läßt sich nicht mit mehr oder weniger psychologischem Geschick konstruieren oder "schaffen".

Der Sturmtrupp lehnt den bunten systemlosen Gruppenbetrieb ab. Seine Jungen und Mädchen haben an seine Stelle einheitliches unter bewußter Führung stehendes Auftreten gesetzt. Es werden schärfere Anforderungen an den einzelnen gestellt. Ein nachsichtiges Mitschleppen von flauen Mitgliedern gibt es nicht. Wer zur Gruppe kommt, ist aktiv oder darf wieder gehen. An Stelle einer Schein-Demokratie (oder wo ist es anders?) tritt bewußtes Führertum. Der Führer führt auch wirklich, ist nicht Geschäfts-Erlediger oder Mädchen für alles. Aber wer befiehlt um zu befehlen, dem gehorcht keine rechte Jungenschaft. Das "ich gehorche dir" wird nur der hören, der freiwilligen Gehorsams würdig ist.

Unsere Sippen sind nach dem Geschlecht getrennt (bis zur Jungmannschaft). Wir sehen nicht in dem Mädel die Schwester, und die Mädels sehen nicht in dem Knaben den Bruder. Wir sehen jeweils das andere Geschlecht, vor dem wir Achtung haben müssen.

Das Fallen oder Steigen dieser Achtung hängt von uns selbst ab. Wir sind einander Gefährten und gehen dem gleichen Ziel zu. Bei dem Wölfling ist kein Platz für ein Jungmädchen, wenn dieser hart erzogen werden soll. Wölfling und Jungmädchen im gleichen Alter haben ganz verschiedene Wirkungsfelder. Das Leben der Jungenschaft muß ein anderes sein als das des Mädchenbundes. Fremd werden sich Bub und Mädel nie sein, denn bei Fest- oder Stammessitzung vereinigen sich alle Sippen im Stamm.

In der Jungmannschaft arbeiten Bub und Mädel zusammen. Sie sind als die Älteren die verantwortlichen Führer. Doch auch sie wissen, daß über der Trennung von Buben- und Mädelsippen die "Achtung vor dem anderen Geschlecht" steht.

Der Sturmtrupp ist uniformiert (Man kann auch sagen: die Mitglieder tragen die gleiche Tracht). Das schafft äußere Geschlossenheit und innere Freude. Der Strumtrupp setzte an Stelle von Sei doch so gut und der Hoffnung auf die "individuelle Einsicht" Befehl und Gehorsam. Der Sturmtrupp hat damit sehr gute Erfahrungen gemacht und wird Uniform und Befehl beibehalten.

Wer behauptet, Ordnung und Disziplin (Kommando und Gehorsam) bedeute verkappten Militarismus, beweist damit, daß er keine Ahnung von Disziplin hat und lieber schweigen sollte. Oder er will bewußt herabsetzten und verleumden.

Unsere Logensitzungen sind klarer und straffer geworden. Der Ordensbrauch kommt mehr zur Geltung. Die Jungen haben mehr Verständnis für Formen wie früher. Der Strumtrupp hält dabei eine Durchleuchtung der Bräuche nach ethischen, philosophischen, religiösen und sonstigen Bestandteilen für überflüssig. Ritual und Sitzungsbrauch werden sehr real betrachtet und üben vielleicht gerade deswegen starke Wirkung aus. Daß das Wehrlogenritual heute überholt ist, nur nebenbei. Aus dem neuen Jugendleben wird auch ein neues Ritual wachsen. Der Sitzungsinhalt hat sich wesentlich geändert. Er werden keine wahllosen oder unreifen "Vorträge" gehalten. Die Stunden dienen der Vorbereitung und der theoretischen Ausbildung. Die "Nestabende" sind Übungsabende für erste Hilfe bei Unglücksfällen, Kartenlesen, praktische Geographie, Verkehrskunde. In den Pfadfinderlogen lernen wir "geistig" wenig aber wir "können" dafür umso mehr!
Fahrt und Lager beherrschen die Freizeit. Wo es möglich ist, gehen wir auf den Kriegspfad. Wir halten Geländespiele, man kann auch sagen Kriegsspiele.

Das Wort Kriegsspiel hat für viele einen üblen Klang, und sie zerren es herbei, wo sie Ungutes über Pfadfinderei sagen wollen. Bezeichnender für diese Übungen ist das Wort Geländespiel, und die Vorbereitung dazu ist die Geländeübung, Morsen, Flaggenwinken, Feuersignale, Pfeifen- und Hornzeichen, Kartenlesen, Späherausbildung, Entfernung schätzen, Anschleichen und Bewegungstechnik. Das Geländespiel ist die hohe Schule des Pfadfindertums.

Wo im praktischen Leben können wir Beobachtungsgabe, Fixigkeit und Gewandtheit nicht brauchen?
Der Pfadfinder sucht in der Natur Mittel und Zweck zum Leben. Es genügt ihm nicht, nur zu sagen: Dies ist schön, dies ist eine Blume oder "Dies ist ein Feuer". Ihm muß die Erde zum realen Bewußsein werden, er unterscheidet und lernt Pflanzen, Tiere und Naturgeschehen kennen. Er sucht die Ursache der Dinge, übt und lernt und ist unbedingt ein Praktiker.

Pfadfinder bedeutet heute nicht mehr Name eines Bundes, sondern ist Ausdruck einer Lebenshaltung. Der Sturmtrupp Süd bekennt sich zum Pfadfindertum. Seine Scharen bilden die Pfadfinderschaft im Deutschen Guttemplerorden.

Es genügt nicht, daß man sich "ein bißchen mit Pfadfinderei beschäftigt". Wer urteilen will, muß mit den jungen Buben und Mädels draußen gewesen sein, auf Großfahrt oder am Lagerfeuer, im Zelt oder unter dem Sternenhimmel. Wer dabei war, weiß: es wächst eine neue, gesund empfindende Jugend heran! Das Pfadfindertum ist die Lebensform eines Großteils der heutigen Jugend, es wird die Gesamtheit der kommenden Jugend sein.

Und ihr sollt wissen: 2000 IOGT-Pfadfinder stehen in Schweden. Wir haben mit ihnen ein Bündnis geschlossen. Das gemeinsame Abzeichen ist die Sturmtrupplilie. In Norwegen und Holland sind IOGT-Pfadfinderverbände im Entstehen. Der Sturmtrupp aber ruft zu neuem Aufbruch!

Kamerad, nun laß dir sagen,
Kamerad, es ist nun Zeit.
Horch! Die Trommel wird geschlagen!
Sei bereit! Sei bereit!

[Ohne Angabe des Verfassers]

Aus: Deutsche Jugend. Monatsschrift
der Wehrlogen im Deutschen Guttemplerorden (IOGT), Jahrgang 1930, Heft 9/10, S. 115 ff.

(aus: Der GRAUE REITER, Seite 46 f.)

 
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Epilog
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Die Zeit 1956-1968
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30. April 2018: Dank Kafe konnte das Buch des Grauen Reiters von 1954 digitalisiert werden. Ein Paar Seiten findet ihr dann im neuem Heft. Eventuell wird es einen Nachdruck geben!



Februar 2018: Arbeiten am neuen Heft beginnen. Thema: "Der Haddak"



Juni 2017: Der Graue Reiter 126/127/128 ist noch vor Pfingsten fertig geworden und schon auf dem Weg zum Bundeslager!



November 2016: Die Reihe der "rot-grauen blätter" wird weitergeführt. Nummer 100 und Nr. 101 stehen zum Download zur Verfügung. Alte Nummer leider aus rechtlichen Gründen nicht mehr. >>> Hier geht's zur Nummer 101.



Der Graue Reiter 130 ist zzt. ebenfalls in Arbeit. Mit dieser Dokumentation soll das Kapitel "GRAUE REITER in der
DDR" aufgearbeitet werden. Erscheinungstermin ist für Winter 2018 geplant. Im Moment beträgt der Umfang 54 Seiten. In nächster Zeit wird es noch ein paar Fahrten in den Osten geben, um Zeitzeugen zu befragen und weiteres Material zusammenzutragen.