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  Wer war Walter Flex?  
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Deutsch und einzig schön
Dichtend für den Kaiser sterben: Wer war Walter Flex?


Wer kennt das Lied nicht: "Wildgänse rauschen durch die Nacht"? Walter Flex ist vielen innerhalb der Jugendbewegung ein Begriff ("Der Wanderer zwischen den Welten"). Unten folgender Artikel soll das Leben des Dichters und seine Familie ein wenig näher bringen. 

Margarete und Rudolf Flex hatten vier Söhne. Alle schrieben. Zu literarischem Ruhm brachte es aber nur ihr zweitgeborener, Walter. Schon vor dem 1. Weltkrieg hatte er, der Hauslehrer unter anderem bei den Bismarcks war, mit einem Theaterstück ("Klaus von Bismarck") und einem Erzählreigen ("Die zwölf Bismarcks") debütiert. Mit Gedichten und poetischen Feldpostbriefen feierte Leutnant Walter Flex dann vom ersten Tage an den deutschen Waffengang. Von "heiligen Blutwunden" schrieb er, und davon, dass "die Krone der Welt dem deutschen Volke gleißt". Als 1916 seine Frontnovelle "Der Wanderer zwischen beiden Welten" erschien, handelte man den 29-jährigen schon als zweiten Theodor Körner. Bis zum Beginn des nächsten Weltkrieges erreichte das Prosabändchen mit eingestreuten Versen (u.a. "Wildgänse rauschen durch die Nacht") eine Auflage von fast einer Million Exemplaren. Es gehörte mit den "Buddenbrooks" und "Im Westen nichts Neues" zu den fünf meistverkauften Büchern in Deutschland.

Als man sich vor wenigen Wochen an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor neunzig Jahren erinnerte, schien es, als würde dieser Krieg allmählich aus dem Schatten des Zweiten heraustreten. Wenn das geschieht, sollte die Beschäftigung mit diesem, heute vergessenen Autor dazugehören. Als 1976 der Walter-Flex-Freundeskreis, der in besten Zeiten 600 Mitgliedern zählte und nun vermutlich aufgelöst ist, beim C.H.Beck Verlag in München anfragte, wann der "Wanderer zwischen beiden Welten" wieder aufgelegt würde, antwortete Wolfgang Beck: "Mich trennt sehr viel von seiner geistigen Welt." Kostenlos wurden die Rechte an den Verlag Orion-Heimreiter abgegeben. Dort bekommt man das Buch noch als Restbestand einer Auflage von 1986, alle anderen Werke sind nur noch im Antiquariat zu bekommen.

Nachlässe des Dichters befinden sind in verschiedenen deutschen Forschungsbibliotheken. Im Jahr 1995 bekam jedoch auch seine Heimatstadt Eisenach, neben Uniformteilen, persönlichen Gegenständen und dem Ehrengrab der Flex-Freunde, einen Teilnachlass vom Freundeskreis geschenkt. Dazu gehören die Tagebücher der Eltern und Hunderte von teils schon für den Druck vorbereiteten Originalbriefen. Im Stadtarchiv von Eisenach ist der Mythos von den "heiligen Blutwunden" als Familiengeschichte nachzulesen.

Die Geister der Monarchie und Bismarcks schwebten über "Ursudomus", wie die Flex nach einem Kinderspiel ihr Haus in der heutigen Wartburgallee Nr. 37 in Eisenach nannten. Oberlehrer Rudolf Flex gehörte zu den Honoratioren der Stadt, war Mitglied im Verein für das Bismarck- und das Burschenschaftsdenkmal und schrieb drei Festspiele zu Ehren des Eisernen Kanzlers. Seine Frau Margarete konnte, wie ihrem Tagebuch zu entnehmen, 1901 seitenlang erschüttert sein vom Tod des Großherzogs Carl-Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach. Als gute Protestantin war sie Vorsitzende des Gustav-Adolf-Frauenvereins und, als die Stunde es erforderte, sofort aktiv im Nationalen Frauendienst. Beinahe täglich schrieb sie ihren Söhnen Otto, Walter und Martin, die sich als Kriegsfreiwillige gemeldet hatten. Auch Konrad, der älteste, hätte das getan. Doch er wurde ausgemustert.

Begeisterung spricht aus den Zeilen des "Soldatenmuttlis", wie die Söhne sie nennen. An Walter, der es nicht erwarten kann auszurücken, schreibt sie am 11. August 1914: "Ja, das ist echt deutsch. Wie sagte doch Körner: Keiner ist zu gut, zu wertvoll." Schon einen Monat später fällt Otto, der jüngste Sohn. Sein Bruder Walter widmet ihm ein Gedicht, das umgehend gedruckt wird. "Es ist alles so einzig schön!", schreibt ihm die Mutter, "die Widmung an unser liebes Petzlein und: Es liegt ein Held begraben". Wie danke ich Dir, und wie stolz bin ich auf Dich . . . Dein Dichterberuf war mir noch ganz anders verklärt durch Deine Kriegsgesänge."

So geht es nicht nur der Mutter. Walter Flex gibt dem Sinnlosen einen Sinn durch seine poetische Verklärung des Krieges. Nicht seinem Bruder Otto, sondern seinem Kameraden Ernst Wurche schmückt er in "Der Wanderer zwischen beiden Welten" das "Heldengrab". Die Mutter dürfte trotzdem an "Petzlein" gedacht haben. Denn als die Nachricht vom Tod ihres Jüngsten eintraf, hatte sie sich zusammengerissen und an Walter geschrieben: "Es ist so deutsch, daß der Held seine Waffen mit in sein Grab auf dem Schlachtfeld nimmt, und ich möchte es nicht anders haben, auch um den Preis nicht, sie in Händen halten und küssen zu dürfen". Im Manuskript des "Wanderers", das sie 1916 für den C.H. Beck Verlag abschreibt, liest sie dann die Verse:

"Der Stahl, den Mutters Mund geküßt/
Liegt still und blank zur Seite.
Stromüber gleißt, waldüber grüßt,
Feldüber lockt die Weite."

Ein Jahr später fällt auch Walter. Die Zeitungen melden es schon am Samstag, doch Rudolf Flex kann sich drei Tage nicht entschließen, es seiner Frau zu sagen. Die drei Briefe, die Margarete in dieser Zeit an Walter schreibt, hält er zurück. Einer endet mit den Worten: "Leg' Deinen Kopf auf das rotseidene Kissen und träum' was recht Schönes." Wovon, steht weiter oben: "Ach, unser liebes Deutschland! Wie ist es herrlich, die glänzenden Erfolge im Rigaischen Meerbusen, die Abwehrschlachten in Flandern . . ." Als sie das schrieb, war Walter bereits im Rigaischen Meerbusen, auf der Insel Ösel, schon gefallen.

Nun ist es Martin, der literarischen Trost spendet - in einem Nachwort, das ab der zehnten Auflage des "Wanderers" erscheint. "Liebster Martin!", schreibt die Mutter, "so helfen wir uns gegenseitig. Wie danke ich dem lieben Gott für meine drei Leutnants, die für ihren Kaiser ins Feld zogen."

Den Tod des dritten Leutnants erlebt der Vater schon nicht mehr, denn dieser stirbt im Sommer 1917 an einer Gehirnblutung, erst 62 Jahre alt. "Seine Liebe und Arbeit galt Bismarcks Schöpfung", wird auf sein Grabkreuz gemeißelt. Auch seine Frau ist gesundheitlich angeschlagen und verbringt Wochen im Sanatorium in Blankenburg. Dort erfährt sie, dass ihr letzter Soldatensohn, der bereits im September 1914 schwer verletzt wurde, an der Front erkrankt ist. Aus Flandern wird Leutnant Martin Flex nach Hannover ins Krankenhaus gebracht: Rippenfellentzündung mit hohem Fieber. Der Krieg ist aus, aber Martin erholt sich nicht wieder. Er stirbt im Februar 1919. Als er in Eisenach beigesetzt wird, schießt die Reichswehr drei Salven Salut: "Für jeden meiner Jungen einen Schuß". Die Mutter stirbt ein halbes Jahr später im Alter von 57 Jahren. Sie wird neben Martin und ihrem Mann beerdigt. Auf ihren Grabstein stehen Verse von Walter: "Wer auf die preußische Fahne schwört, hat nichts mehr, was ihm selber gehört."

Konrad, der älteste Sohn, der übrig bleibt, schreibt Vorworte für die Werke seines Bruders Walter. 1927 gibt er dessen Briefe mit heraus, 1937 ein "Lebensbild". Von Schweden aus, wo er eine deutsche Baronesse heiratete, erklärt er sich im Völkischen Beobachter für Hitler. Schließlich ediert er für den C. H. Beck Verlag die Briefe der Mutter. Die Arbeit zieht sich bis 1943 hin. Das Buch soll in die richtige Richtung gehen, aber etliche Briefstellen laufen dem zuwider. Zum Beispiel, wie die Mutter immer weiter "Petzleins" Geburtstag begeht. "Das Licht erlischt, gute Nacht, mein liebes Geburtstagskind!", ruft sie 1914 dem Toten zu. Drei Jahre später wacht sie an Ottos Geburtstag, trotz Schlafmittel, in der Nacht wieder auf. "Es war Punkt 1/2 1". Halb eins war ihr Jüngster, der als erster fiel, zur Welt gekommen.

Im Vorwort zur Briefauswahl schreibt Konrad Flex dann auch: "Trotz aller Tröstungen der Religion und Philosophie wird die Trauer zu Zeiten übermächtig. Andere werden zurückkehren, wenn die Friedensglocken läuten. Mein Kind kehrt niemals wieder!" - Die in Walhalla Einzug gehalten haben, brauchen nicht mehr auf staubigen Erdenstraßen zu marschieren." Die Passage streicht er wieder durch. Das Buch mit den Briefen der Mutter, die drei Söhne verlor, ist trotzdem nie erschienen.



Die Familie Flex: der Dichter Walter steht hinten links.

(aus: SZ, 30. August 2004)

 
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30. April 2018: Dank Kafe konnte das Buch des Grauen Reiters von 1954 digitalisiert werden. Ein Paar Seiten findet ihr dann im neuem Heft. Eventuell wird es einen Nachdruck geben!



Februar 2018: Arbeiten am neuen Heft beginnen. Thema: "Der Haddak"



Juni 2017: Der Graue Reiter 126/127/128 ist noch vor Pfingsten fertig geworden und schon auf dem Weg zum Bundeslager!



November 2016: Die Reihe der "rot-grauen blätter" wird weitergeführt. Nummer 100 und Nr. 101 stehen zum Download zur Verfügung. Alte Nummer leider aus rechtlichen Gründen nicht mehr. >>> Hier geht's zur Nummer 101.



Der Graue Reiter 130 ist zzt. ebenfalls in Arbeit. Mit dieser Dokumentation soll das Kapitel "GRAUE REITER in der
DDR" aufgearbeitet werden. Erscheinungstermin ist für Winter 2018 geplant. Im Moment beträgt der Umfang 54 Seiten. In nächster Zeit wird es noch ein paar Fahrten in den Osten geben, um Zeitzeugen zu befragen und weiteres Material zusammenzutragen.