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  Zum Begriff Pimpf  
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Immer wieder kommt die Diskussion auf, ob der Begriff Pimpf bei uns überhaupt noch Verwendung finden soll. Manche sind der Ansicht, dieser Begriff wurde von den Nationalsozialisten zu sehr vereinnahmt, um ihn noch bedenkenlos verwenden zu können. Zur Klärung der Begrifflichkeiten hier ein interessanter Beitrag von Kurt!

Zum Begriff Pimpf

der begriff pimpf stammt aus dem rotwelschen, einer geheimsprache, die früher bei fahrenden handwerkern, landstreichern und gaunern verbreitet war und etwa ab dem 13. jh. entstanden ist, analog zum argot in frankreich. das rotwelsch setzt sich aus wortfetzen vieler verschiedener sprachen zusammen, vorwiegend aus dem deutschen, dem jiddischen und dem romani. eine enge verwandtschaft besteht auch zum jenischen, der krämersprache von hausierern, kesselflickern und schaustellern. im rotwelsch existieren keine abstrakten begriffe. es gibt z. b. kein wort für frühling und herbst, sondern nur die jahreszeiten kalt = bibberling und warm = hitzling.

viele begriffe aus dem rotwelsch haben auch in unsere heutige sprache einzug gehalten wie z.b. stenz (= ursprüngl. wanderstock), da im vorigen jahrundert viel fahrendes volk zwangsweise angesiedelt wurde existieren vor allem in vielen fränkischen und schwäbischen gemeinden viele begriffe aus dem rotwelsch noch heute.

der pimpf bedeutet im rotwelsch der wirbel an der klampfe (auch rotwelsch!), mit dem die saite gestimmt wird; ein kleines detail, das aber sehr wichtig ist. wahrscheinlich kam der begriff über den wandervogel in die bündische jugend, da diese durchaus auf ihren fahrten häufig kontakt zu fahrendem volk hatten. die pfadfinder kannten damals nur lager. nachgewiesen wurde der begriff mindestens seit 1920 verwendet.

der pimpf wurde wie so vieles was die nazis nicht ausmerzen konnten einfach übernommen, wie z.b. auch die juja. daher ist der begriff sicher vorbelastet, aber hättend die nazis dies auch getan, wenn sie wüßten
woher der begriff eigentlich stammt?

dennoch ist der pimpf der bündischen jugend nicht mit den wölflingen der skauts gleichzusetzen, da er eine andere altersstufe beschreibt und teil einer anderen gruppenstruktur ist.

die klassische bündische gruppe ist die horte oder horde, eine gruppe von jugendlichen zwischen 12 bis über 20 j, die sich mehr oder weniger spontan gebildet hat. die jüngsten mitglieder (12-14 j.) und auch die,
die erst seit kurzem dabei waren wurden pimpfe genannt. die pimpfe der bündischen entsprachen also altersmäßig eher den jungpfadfindern der skautverbände. es gab selten reine pimpfengruppen. pimpfe werden innerhalb der horte mitgezogen und eifern den älteren gruppenmitglieder nach, die eine vorbildfunktion übernehmen. die jüngeren lernen durch ihr vorbild verantwortung zu tragen und pflichtbewußtsein. die älteren und jüngeren erziehen sich so wechselseitig. die zusammensetzung der horte änderte sich während ihres gruppenlebens kaum.

um die kontinuität ihrer stämme zu wahren hat die skautbewegung sehr bald die wölflingsstufe eingeführt und auf diese altersgruppe abgestimmte pädagogische konzepte entwickelt. in deutschland hat sich die wölflingsstufe aber erst nach dem II. weltkrieg überall durchgesetzt. die wölflinge werden in gruppen  meuten, rudel) zusammengefaßt und mit altersgerechten spielen und kleineren zeltlagern auf die pfadfinderstufe vorbereitet. mit 11 - 12 jahren werden die früheren wölflingsmeuten dann zu pfadfindergruppen, die langsam lernen sich selbst zu führen, selbständig lager und fahrten vorzubereiten und später gruppen zu führen. in den klassischen skautorganisationen z.b. in england, stehen die gruppen immer unter der oberaufsicht eines erwachsenen und können sich nie wirklich selbständig entfalten. das wölflingsprinzip hat die aufgabe eine überalterung der stämme zu verhindern und die kontinuität der pfadfindererziehung zu gewährleisten.

pimpfe und wölflinge stehen daher für unterschiedliche altersgruppen, gruppensysteme und auch anschauungen. die hitlerjugend hat eigentlich mit dem jungvolk dem wölflingsprinzip der skauts nachgeeifert und die begriffe dafür aus der bündischen jugend verwendet. lange zeit hatte
sich die HJ auch bemüht in den weltpfadfinderverband aufgenommen zu werden, was dieser wohlweislich ablehnte.

egal, ob einem der begriff pimpf gefällt oder nicht, man sollte in jedem fall über die fakten und geschichtlichen hintergründe dazu bescheid wissen, bevor eine entscheidung leichtfertig gefällt wird.


 
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30. April 2018: Dank Kafe konnte das Buch des Grauen Reiters von 1954 digitalisiert werden. Ein Paar Seiten findet ihr dann im neuem Heft. Eventuell wird es einen Nachdruck geben!



Februar 2018: Arbeiten am neuen Heft beginnen. Thema: "Der Haddak"



Juni 2017: Der Graue Reiter 126/127/128 ist noch vor Pfingsten fertig geworden und schon auf dem Weg zum Bundeslager!



November 2016: Die Reihe der "rot-grauen blätter" wird weitergeführt. Nummer 100 und Nr. 101 stehen zum Download zur Verfügung. Alte Nummer leider aus rechtlichen Gründen nicht mehr. >>> Hier geht's zur Nummer 101.



Der Graue Reiter 130 ist zzt. ebenfalls in Arbeit. Mit dieser Dokumentation soll das Kapitel "GRAUE REITER in der
DDR" aufgearbeitet werden. Erscheinungstermin ist für Winter 2018 geplant. Im Moment beträgt der Umfang 54 Seiten. In nächster Zeit wird es noch ein paar Fahrten in den Osten geben, um Zeitzeugen zu befragen und weiteres Material zusammenzutragen.