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  Ehrung von Edelweißpiraten  
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16.06.2005: Regierungspräsident erkennt vier Ehrenfelder Edelweißpiraten als Widerstandskämpfer an

"Edelweisspirate, su han se sich jenannt. Wo dat Blömche jeblöht hät, jo do wor Widderstand. Mit Jittar jäje Nazimarsch, su fing et domals an. Se woren jäje Hitlerjroß un Häreminschewahn. Se wollten kein HJ-Montur. Se wollten keine Drill. Se fuhren rus en de Natur un spillten Buffalo Bill..."

Zur Standard - Literatur eines jeden bündisch angehauchten Jugendlichen gehörten (und gehören?) neben den "Verlorenen Schächten" und anderen Schinken der Piratenbücherei, den "Träumern, Streitern, Bürgerschrecken", natürlich auch die "Weiße Rose", "Die Edelweißpiraten" und "Er war sechzehn als man ihn hängte".



Ach, die Edelweißpiraten! Helden meiner Kindheit und Jugend. Es entstand in mir ein romantisch verklärtes Bild bündischer "Vorfahren". Echte Abenteuer, wildes Fahrtenleben, Mut und Trotz und eine totale Verweigerung des Nazi - Regimes. Toll! Erst Jahre später habe ich begriffen, das es mit der Romantik damals wohl etwas gehapert haben muß, das Abenteuer irgendwann kein Spiel sondern Überlebenskampf bedeutete, welchen einige der Jungs verloren haben. Man mag kaum Parallelen ziehen zwischen ihnen damals und uns heute. Wir lieben die Fahrt, wir singen in freundschaftlicher Runde am Feuer, wir wollen frei sein und tun und lassen können was wir wollen. Wir kämpfen gegen die Perspektivlosigkeit der heutigen Jugend und mit Sicherheit gibt es Einiges, dem wir uns standhaft und trotzig verweigern. Doch wer will uns dafür einsperren, foltern oder hinrichten? Das liegt jenseits unserer heutigen Vorstellungskraft. Zumindest hier, in unserem Land. Eigentlich schon fast ein Privileg…



Zurück zu den Piraten und Piratinnen. Es folgten jahrzehntelange Diskussionen. Waren sie lediglich nonkonforme Jugendliche? Oder krimineller Abschaum? Oder vielleicht doch echte Widerstandskämpfer? Wie das mit den Helden der Kindheit so ist, wurden sie davon nur wenig angekratzt.

Am 16. Juni 2005 gab es nun eine historische Feierstunde im Haus der Bezirksregierung Köln und wir durften dabei sein. Zum einen hat Regierungspräsident Jürgen Roters die Jugendlichen Gustav Bermel, Franz Rheinberger, Bartholomäus Schink und Günter Schwarz als Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime geehrt. Für die, die es nicht wissen: Diese vier "Edelweißpiraten" waren am 10. November 1944 öffentlich, ohne Verhandlung "auf Verdacht und zur Abschreckung", hingerichtet worden.



Nach zwei Liedern von Rolly Brings gaben der Historiker Dr. Matthias von Hellfeld und die Lehramtsreferendarin Lena Menges einen Einblick in die damalige Zeit, die Zwangsmechanismen des Regimes und die nicht mehr vorhandenen moralischen Normen. (8,7 Millionen Jugendliche waren in HJ und BDM und wer da nicht mitspielen wollte hatte mit teilweise üblen Repressalien zu rechnen.)

Neben Jean Jülich (s. Lesung auf dem Kochshof) und Gertrud (Mucki) Koch waren auch andere "überlebende" Edelweißpiraten bei der Feierstunde anwesend. Roters übergab Ehrenurkunden an Fritz Theilen, Gertrud Koch, Ferdi Steingaß, Ludwig Hansmann, Anton Mans, Peter Schäfer, Wolfgang Schwarz, Hans Fricke und Jean Jülich.  Jean Jülich bedankte sich im Namen aller und eröffnete gleichzeitig eine Ausstellung über sich und die Edelweißpiraten, welche noch bis Ende Juni in Bezirksregierung Köln zu sehen ist.



Also ich, so als Frau, war von dem historischen Augenblick wirklich ergriffen. Fotler war auch ergriffen, nämlich als er seinen Brief an Jean Jülich vergrößert und einlaminiert in der Ausstellung entdeckte! ;-)

(Quelle: www.deutsche-freischar.de, keks)

 
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